Zitate von Christian Unger
  • Wir werden in zukunftsträchtige Geschäftsfelder investieren; und unser traditionelles Stamm- geschäft noch stärker hin zu multimedialen und multikanalen Plattformen entwickeln, um so weniger stark vom traditionellen Printgeschäft und den Anzeigenerlösen abhängig zu sein.
Kunst die mir gefällt

Trau schau welcher Medienmarke!

Es gibt wenige Industrien, die sich in einem so gravierenden Veränderungsprozess befinden wie die Medienbranche. Dieser Wandel erfordert von der Branche ein radikales Umdenken. Die Printmedien sind unter Druck, die digitalen Plattformen im Vormarsch, das Nutzerverhalten ändert sich dramatisch. Und die Informationsvielfalt nimmt laufend in gewaltigem Tempo zu – alle fünf Monate verdoppelt sich beispielsweise das gesamte im Internet verfügbare Datenmaterial. Aber gerade deswegen – davon bin ich absolut überzeugt – braucht es die Medienunternehmen heute mehr denn je. Ihre Wichtigkeit wird sogar noch zunehmen, trotz oder gerade wegen der rasant fortschreitenden Digitalisierung der Welt.

Ich möchte den Raum hier nutzen, meine Gedanken und Beobachtungen aus Sicht des CEOs eines grossen Medienunternehmens mit Ihnen zu teilen. Ich stütze mich dabei auf die Erfahrungen, die ich seit fast 20 Jahren in diesem Bereich in vielen Positionen und unterschiedlichen Ländern aufbauen konnte. Und ich erhoffe mir einen offenen Austausch dazu mit Ihnen!

Welches sind die grossen Themen, die mich momentan am meisten beschäftigen? Es sind insbesondere die strukturellen Entwicklungen im Medienbereich. Und dann die Frage, wie wichtig die Marke für Medienunternehmen ist und noch wird. Hier sind meine „Top 8“ Thesen, weshalb sich Medienunternehmen komplett neu erfinden müssen, um langfristig Erfolg zu haben:

  • Die Digitalisierung der Information ist unaufhaltsam und schreitet exponentiell fort. Dies ist kein Trend, sondern ein Paradigmenwechsel.
  • Trotz fortschreitender Digitalisierung des Mediensektors haben Print- und elektronische Medien (Radio, TV)  nach wie vor ihre Existenzberechtigung. Nur verändert sich gerade die Rolle der einzelnen Mediengattungen komplett, es findet eine Neuverteilung der Information auf die einzelnen Übermittlungskanäle statt.
  • Es sind vorwiegend die jungen Menschen von heute, die den Medienkonsum von morgen definieren. Deshalb müssen wir uns bei der Definition unserer Zukunftsstrategien viel mehr auf das Nutzungsverhalten der 10 – 15-Jährigen konzentrieren, statt nur auf unsere momentanen Hauptzielgruppen zu schauen.
  • Die Zahlungsbereitschaft für Medienprodukte nimmt generell ab. Das gilt sowohl für Online- und Mobile- Inhalte wie auch für Offline-Inhalte. Wir müssen deshalb neue, ergänzende Erlösströme finden, in denen wir unsere Kernkompetenzen ausspielen können.
  • Medienkonsum wird immer technologiegetriebener, und obwohl ein Medienunternehmen kein Technologieunternehmen ist, sind das Verständnis und der Miteinbezug von neuen Technologien match-entscheidend.
  • Nutzer wählen Medien (Print, Mobile, Online, Radio, Events) kontentbezogen. Nur wenn der Inhalt stimmt, wird der Kanal gewählt. Die Marke allein ist nicht mehr genug für die Userbindung. Medien müssen deshalb in den Dialog mit ihren Nutzergruppen treten.
  • Die Rolle der Informationsquelle und demnach die Frage, von wem die Information kommt, gewinnt an Bedeutung. Das Vertrauen in die Informationsquelle ist wesentlich. Auf online übersetzt heisst das: Die Marke wird zum Freund, dem man Kraft seiner Kompetenz, die richtigen Informationen zu filtern und aufzubereiten, vertraut.
  • Der Medienkonsum nimmt insgesamt zu, allerdings in segementierterer Form. Nischen, Spezialitäten und userbezogener Content werden wichtiger. Community-Bildung und –Betreuung muss auch für Medienmarken zum zentralen Instrument werden.

Diese Entwicklungen bringen mich zu Schluss, dass wir grossen Wert darauf legen sollten unsere Geschäfte als Marken zu führen. Marken, die so stark sind, dass sie verschiedene Kanäle bedienen und auch neue aufnehmen können. Radio Energy ist beispielsweise eine Marke, die mit UKW-Lizenzen ihre Existenzberechtigung erfuhr. Mittlerweile steht Radio Energy aber für mehr. Wir organisieren Konzerte unter diesem Brand, Fashion-Events oder Film-Happenings. Ich bin davon überzeugt, dass es Energy ohne Probleme verkraften wird, wenn Musik statt über UKW übers Internet gehört wird. Obwohl es heute grundsätzlich kein Problem darstellt, sich online eine eigene Playlist zusammenzustellen, orientieren sich viele Nutzer beim täglichen Medienkonsum nach wie vor gerne an Ihren bevorzugten Sendern bzw. Marken.

Dasselbe gilt für Printmedien. Der Informationsfluss im Netz ist aktuell und umfassend, doch erzeugen blanke Informationen noch keine Relevanz für die Nutzer. Natürlich können Sie als Nutzer Ihr eigener Gatekeeper sein und selbst  bestimmen, welche Informationen für Sie relevant sind. Oder aber, Sie lassen dies die „Profis“ der Medienmarken für Sie erledigen und entscheiden dann, ob das  „Ihr Begleiter“ für dieses spezifische Medienbedürfnis wird.

Wenn eine Marke Ihre Bedürfnisse besser abdeckt als Sie es selbst tun können, dann werden Sie auch in Zukunft auf sie zurückgreifen. Insofern versuchen wir bei Ringier unsere Mediengeschäfte als Marken zu definieren, zu positionieren und den ständig ändernden Gewohnheiten anzupassen. Wenn es uns gelingt das Vertrauen in unsere Marken zu stärken, werden diese auch in der sich wandelnden Medienlandschaft weiterhin Bestand haben.

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